Mittwoch, 14. Februar 2018

White Box


Ein Baumstamm im Kubus 
und essbare Skulpturen

Es gibt ja das Sprichwort „Wer weiß, wozu das Schlechte gut ist“. Das trifft dieser Tage ganz besonders auf den altehrwürdigen Mammutbaum in der Lichtentaler Allee gegenüber des Burda-Museums zu, der beim großen Sturm im Dezember seine Standfestigkeit verlor und im stolzen Alter von 140 Jahren gekappt werden musste. 



Traurig und irgendwie auch trotzig ragte seitdem sein quer halbierter Stamm in die Höhe, und manch ein Spaziergänger fragte sich, seit wann denn das sonst so emsige Gartenamt halbe Sachen macht. Gestern ließ der Direktor der staatlichen Kunsthalle, Johan Holten, die Katze aus dem Sack: Der abgesägte Stamm wurde noch gebraucht. Für ein Kunstprojekt der anderen Art. Der Künstler Fabian Knecht aus Berlin hat ihn sich für ein zeitlich begrenztes Werk auserkoren. 




Seit vorgestern wird rund um den mächtige Baumstumpf nun gezimmert und gesägt, und in ein paar Tagen wird von dem Stamm nur noch der obere Teil zu sehen sein. Der Rest wird in einer begehbaren „temporären Ausstellungshalle“ verschwinden, einer White Box, die dieses markante Stück Natur quasi umrahmen, ja umarmen wird.

Die Ausmaßes des Kubus' werden gewaltig sein: zwölf mal vier mal vier Meter. Außen Natur, innen weiß, und zwar so weiß in grelles Neonlicht getaucht, dass selbst die tief verschorfte Rinde keinen Schatten mehr werfen soll.

Das Kunstwerk wird für die neue Landesausstellung der staatlichen Kunsthalle aufgebaut, die unter dem Motto „Ausstellen des Ausstellens“ vom 3. März bis zum 17. Juni zu sehen sein wird. 

Und wie die Baden-Badener es schon von früheren Landesschauen gewohnt sind, wird sich die Sonderausstellung nicht auf das Haus der Kunsthalle allein erstrecken, sondern sich in der Umgebung ausbreiten: Im Freien, wo in 100 Bäumen Zeichnungen wehen werden, im Burda- LA8- und Stadtmuseum, in denen man „künstlerische Streubomben" platzieren wird, neben der Kunsthalle, wo es künstliches Vogelgezwitscher zu hören gibt – und eben im weißen Kubus in der Allee, der jeden Tag zwischen 10 und 18 begehbar sein wird. 



„Es geht uns darum, die Leute mit Kunst zu konfrontieren, nicht um Eintrittskarten zu verkaufen“, erläuterte Johan Holten gestern, als er der örtlichen Presse die Aktion vorstellte. Aber natürlich hofft man darauf, dass der eine oder andere Spaziergänger, auf diese Weise neugierig gemacht, dann doch den Weg in die gar nicht so heiligen Hallen finden wird. In diesem Sinne liest sich der Veranstaltungskalender für die Landesausstellung sehr spannend; es sind unterschiedlichste Aktionen geplant. Das beginnt mit einer Performance in (!) der Oos und einem ungewöhnlichen Konzert in der Muschel am Kurhaus, geht über Speed-Dating mit der Kunst und Yoga im Museum bis hin zum Power-Lunch mit Kunst (20 Minuten Führung plus Mittagessen), Schnitzeljagd für Kinder und Abendführung mit der Taschenlampe. 

Und im Stadtgebiet wird es umgedrehte Bücher vor der Buchhandlung Straß, Fotografien im alten Dampfbad, gravierte Vorhängeschlösser an einer Oosbrücke und essbare Skulpturen aus Marzipan zu bestaunen geben. Mit anderen Worten: Ab 3. März heißt es: Augen auf in Baden-Baden! 

Der kunstvolle Mammutbaum in der Box hat übrigens am Ende der dreimonatigen Schau noch lange nicht als "temporäres Kunstwerk" ausgedient. Ist die White-Box am Ende wieder abgebaut, wandert das Holz weiter in kundige Künstlerhand: Karl-Manfred Rennertz wird aus dem Stamm dann etwas Bleibendes schaffen. 



 

Freitag, 19. Januar 2018

Ana Naves


Nudeln, Haare, Cappuccino
= Kunst, Alltag und Design

Hereinspaziert! Staunen Sie! Erinnern Sie sich! Lachen Sie! Stutzen Sie! Wundern Sie sich! Auch über den Namen der Ausstellung: „Sich die Haare nach dem Mond schneiden“... Das Motto ist ja schon kennzeichnend für die ganze Schau. 
 
Selten war der kleine 45-Kubikmeter-Experimentierraum der Kunsthalle so bunt und voll wie derzeit. Auf Einladung von Kuratorin Luisa Heese hat die Künstlerin Ana Naves viele ihrer Werke mitgebracht und in dem kleinen Raum im Erdgeschoss der staatlichen Kunsthalle zu einer räumlichen Collage neu arrangiert. 

Dinge, die man aus dem Alltag (Crema-Verzierungen auf dem Cappuccino) oder aus der Vergangenheit (Lavalampe) kennt, findet man hier ebenso, wie eine überdimensionale Nudel, einen berühmten Designerstuhl oder ein kleines, aber feines Arrangement, in dem man erst bei genauem und nahen Betrachten sieht, dass es Reiskörner sind, auf die Namen geschrieben sind. 



Und schon ist man mitten drin in der Kunst, im Alltag, im Design und in der Verbindung dieser drei Welten, wie Ana Naves sie sieht. Das Kunstwerk am Boden darf man betreten, es ist erst hier in Baden-Baden entstanden und zeigt einen Alltagsgegenstand, der aber so entfremdet ist, dass man ihn nur errät, wenn man weiß, was er darstellen soll. 



Sehen Sie also genau hin, wenn Sie das nächste Mal in die Kunsthalle gehen. Vielleicht heute schon? Denn heute um 19 Uhr wird die Ausstellung feierlich und wie immer bei freiem Eintritt eröffnet. Zu sehen ist sie bis 4. März. Besuchen Sie den Studioraum! Es lohnt sich. Freitags ist auch der Eintritt in die große Ausstellung des nigerianischen Künstlers Emeka Ogboh in der Kunsthalle „If found please return to Lagos“ => KLICK frei.




Die Werke von Ana Navas (*1984 in Quito, Ecuador) spielen mit dem Zeitgeist. Als Meisterschülerin bei Franz Ackermann schloss Ana Navas ihr Studium der Bildenden Kunst 2011 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe ab. Navas erhielt mehrere Preise und Stipendien, unter anderem 2015 am CEAAC (Centre Européen d’Actions Artistiques Contemporaines) Strassburg, sowie Studienaufenthalte an der Cité Internationale des Arts in Paris und 2018 an der Escuela FLORA ars+natura in Bogotá, Kolumbien. Sie war zwei Jahre Teil des niederländischen „De Ateliers“-Programm und lebt in Amsterdam.




Samstag, 9. Dezember 2017

America!


Kommen - sehen - nachdenken:
Amerika zwischen fake news und Realität

Kann eine Ausstellung, die im Trumpschen „fake-news“-Jahr 2017 mit dem Titel „America – America“ gezeigt wird, unpolitisch sein? Haben sich nicht gerade amerikanische Künstler über viele Jahrzehnte hinweg (z. B. während des Vietnam-Kriegs) sehr bewusst und gekonnt mit Politik auseinandergesetzt? Was ist der „elektrische Stuhl“ von Andy Warhol aus dem Jahr 1967 anderes als ein politisches Statement?



Spannende Fragen, die sich der Besucher der neuen Ausstellung im Museum Frieder Burda in Baden-Baden ab heute selber stellen und beantworten kann.



70 Meisterwerke der US-Gegenwartskunst von den 1960er Jahren bis heute spiegeln bis Mitte nächsten Jahres die amerikanische Realität. „How real is real“ lautet der Untertitel dieser Schau, und spätestens jetzt wird deutlich, dass gezeigt werden soll, wie sich der amerikanische Umgang mit Wirklichkeit und Wahrheit in den letzten Jahren ausgedrückt (oder auch gewandelt?) hat.












Unter diesem Aspekt ist der Besuch der Ausstellung eine Herausforderung, intensiv über die Rolle der Kunst nachzudenken. „Think“! Lautet denn auch unübersehbar die Aufforderung auf William N. Copleys „Imaginary Flag for U.S.A.“, die eine weithin sichtbare Einladung zu einem Besuch im Burda-Museum ist.



 
Damit sich möglichst viele Menschen mit diesen Aussagen auseinandersetzen, geht das Museum auch ganz neue Wege: Nächsten Samstag, am 16. Dezember, gibt es erstmals einen Tag der offenen Tür bei freiem Eintritt, mit einem Programm für die ganze Familie, auch mit typisch amerikanischem Essen und der amerikanischen Antwort auf Glühwein (nämlich: Egg Nog) sowie mit Straßenmusikern. Lassen Sie sich überraschen, treten Sie ein und - denken Sie! Think!




Die Liste der ausgestellten Künstler (70 Prozent der Bilder stammen aus der Sammlung Frieder Burda) liest sich wie ein "Who is Who" der amerikanischen Gegenwartskunst:







Im Mittelgeschoss gibt es eine Sonderausstellung mit Collagen von Ray  Johnson




Die Ausstellung ist bis zum 21. Mai 2018 zu sehen. An allen Feiertagen geöffnet, nur am 24. und 31. Dezember geschlossen.


Das Museum: 

Webseite: KLICK
Öffnungszeiten:  Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
Eintritt 13 Euro 
Der umfangreiche Katalog kostet 38 Euro.

Umfangreiches Begleitprogramm mit Filmvorführungen, Schreibwerkstatt, klassischen Konzerten und Pop-Art-Pop und vieles mehr (download des Flyers ganz unten auf der Museums-Seite möglich) => KLICK


 

Donnerstag, 9. November 2017

Ogboh - 2


Emeka Ogbohs Sicht auf deutsche Dinge
Schwarzbier zum "Song of the Germans"

Die staatliche Kunsthalle Baden-Baden ist ja immer für eine Überraschung gut, und so können Sie auch diesmal wieder gespannt sein! 



Morgen um 19 Uhr wird die neue Ausstellung des international tätigen Künstlers Emeka Ogboh aus Nigeria "If found please return to Lagos" eröffnet, und diese Ausstellung wird wirklich alle Sinne ansprechen: 

Es gibt etwas zu hören...

Den Auftakt der großen Baden-Badener Schau bildet jene Arbeit, die Emeka Ogboh erstmals 2015 in Venedig präsentierte: Im großen Oberlichtsaal ertönt aus zehn Lautsprechern „The Song of the Germans“, das Deutschlandlied. Die Zeilen werden nicht wie gewohnt in deutscher Sprache, sondern in Douala, Igbo, Ewondo und weiteren afrikanischen Sprachen gesungen, den jeweiligen Muttersprachen der Sänger und Sängerinnen des Berliner Chors „Bona Deus“.




Es gibt etwas zu bestaunen 

(z. B. Dirndl aus mit typisch afrikanischen Mustern bedruckten Stoffen)...



Es gibt etwas zu essen... 

ja, zu essen! Nicht nur theoretisch wie in diesem Raum hier, in dem symbolisch die Speisen der attraktivsten Einwanderungsländer thematisiert werden...


oder als ungewöhnlich bunter "Eintopf"...



sondern auch ganz real während der Eröffnung! Es wird diverse authentische Kostproben aus den afrikanischen Küchen geben.

Es gibt etwas zum Erinnern...

Auch gegen das Vergessen wird angetrunken... Hier ein nachgestelltes Foto, das daran erinnert, dass bereits zur Wende zum 20. Jahrhundert eine schwarze Musikertruppe in deutschen Kostümen Schuhplattler  aufführte und damit einen Riesenerfolg hatte. An diese "schwarze Geschichte Europas", wie Kunsthallenchef Johan Holten dies beim Presserundgang vor der offziellen Ausstellungseröffnung bezeichnete, wolle der nigerianische Künstler ganz besonders erinnern, und deshalb wurde dieses Foto mit vielen, die in Baden-Baden geboren wurden oder schon länger hier leben, im Weinkeller der ältesten Gastwirtschaft Baden-Badens, dem Baldreit, nachgestellt. 



Überhaupt setzt sich Emeka Ogboh in seinen Werken intensiv mit dem Thema Immigration auseinander: In welcher Position finden sich afrikanische Auswanderer im gegenwärtigen Deutschland und in Europa wieder? Um diese zentrale Frage kreist auch die Baden-Badener Ausstellung, wie es in der offiziellen Pressemitteilung heißt.

Ogboh greift dabei nicht nur auf eigene Erfahrungen – gesammelt zwischen Städten wie Lagos und Berlin – zurück, sondern bezieht auch Anwohner und Anwohnerinnen aus der Kurstadt mit in seine Werke ein. Gemeinsam mit ihnen hat der Künstler in den vergangenen Wochen eine eigene visuelle Marke entwickelt. So entsteht das Bild einer kosmopolitischen Gesellschaft, die selbstbewusst mit Wurzeln, Einflüssen und Zwischenräumen umgeht. 

Und dies zeigt sich nicht nur in farbenprächtigen Bildern... 







... sondern auch in einem im Baden-Badener Casino gedrehten Werbefilm...








... für ein eigens für Baden-Baden mit echt Baden-Badener Quellwasser gebrautes Schwarzbier "Sufferhead Original", in dem Ogboh den Geschmack und die Gewürze Afrikas, die die Einwanderer in der neuen Heimat am meisten vermissen, zusammen mit einem lokalen Bierbrauer eingefangen hat. 

Und es gibt etwas zu trinken

Hierzu befragte der Künstler Männer und Frauen mit afrikanischem Hintergrund nach ihren spezifischen Geschmackserlebnissen. Wie schmeckt Baden-Baden und welche Geschmäcker fehlen? Aus diesen geschmacklichen Erfahrungen entwickelt Ogboh sein Rezept für das dunkle Bier und stößt damit eine kritische Befragung von Begriffen wie Identität und Nationalität an.





Die Baden-Badener Version von „Sufferhead Original“ wird begleitet von einem mehrminütigen Werbespot, den Emeka Ogboh in den prächtigen Sälen des Casinos gedreht hat. Seine Darsteller sind Menschen mit afrikanischem Hintergrund und Wohnsitz in der Kurstadt und Umgebung. Sie verkörpern in dem Spot eine elegante Abendgesellschaft, in der sich - wie in dem zusammengemixten Bier - eine Art gesellschaftliche Mischform widerspiegelt. Denn die Realität ist nun mal, dass alle Teilnehmer in einer Gesellschaft leben, in der das Weiß-Sein immer noch als Norm gilt.



Dem Bier wird ein extra Raum der Kunsthalle gewidmet...

 



Auch in einem gelben Raum, (den der Künstler besonder liebt, wie er einem Pressevertreter am Rande der Führung verriet), dreht sich alles um die Verschmelzung von Nord und Süd, von Berlin bis Lagos... Wie der Künstler dies umgesetzt hat? Nun...




 ... sehen Sie selbst!

Kuratorin Luisa Heese jedenfalls kann mit Fug und Recht stolz auf die von ihr organisierte Ausstellung sein! Der staatlichen Kunsthalle ist es mal wieder gelungen, die Zuschauer zu überraschen! 




Mit "If Found Please Return to Lagos" zeigt die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden die erste große institutionelle Einzelausstellung des nigerianischen Künstlers Emeka Ogboh. 


 
Der 1977 in Enugu, Nigeria, geborene Ogboh erregt seit seiner DAAD-Einladung 2014 nach Berlin international Aufmerksamkeit. Er war Teilnehmer der Biennale in Venedig (2015), erhielt für sein Werk „Continental Entrée“ den renommierten Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen (2016) und war 2017 mit der documenta 14 in Athen und Kassel sowie Skulptur Projekte Münster auf zwei der wichtigsten Plattformen für zeitgenössische Kunst vertreten. 
Emeka Ogboh ist der diesjährige Brenners Artist in Residence.

 

 

Die Ausstellung ist bis 4. Februar 2018 geöffnet.  

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, an allen Feiertagen geöffnet, außer am 24. und 31. Dezember.

Eintritt 7 Euro, Freitag freier Eintritt.

Es wird eine Audiotour (auf Deutsch) angeboten.

Außerdem gibt es einen Katalog (25 Euro, oder zusammen mit einer eigens gepressten Vinyl-Schallplatte 75 Euro)

Hier geht es zur Webseite der staatlichen Kunsthalle => KLICK


 

Dienstag, 3. Oktober 2017

Ogboh - 1


Eine neues Kunstprojekt entsteht vor Ort:
Lebenslust und Eleganz und schwarzes Bier 

Während in der staatlichen Kunsthalle Baden-Baden der chinesische Künstler Liang Shuo die Besucher mit seinen sensationellen Gebirgen aus Holz erstaunt und begeistert, bereitet das rührige junge Team des Hauses längst die nächste Ausstellung vor. Wieder wird es komplett Anderes, nie da Gewesenes sein, wieder entwickelt sich die Ausstellung eher spontan, man wusste zu Beginn nicht, was man „eingekauft“ hatte, nur: wen! Nämlich den international tätigen Künstler Emeka Ogboh aus Nigeria.




Emeka Ogboh beschäftigt sich, so die Information der Kunsthalle, in seinen Werken mit Themen wie Diaspora, Migration, Identität, kulturellen Ritualen, bis hin zu globalpolitischen Fragen der Mobilität und Herkunft. Mit der Documenta 14 in Athen und Kassel und den Skulptur Projekten Münster ist er in diesem Jahr bei zwei der wichtigsten Plattformen für zeitgenössische Kunst vertreten. 


 

Schon im Frühjahr tauchte er in Baden-Baden auf, streifte durch Straßen und über Plätze, versuchte, das Typische der Stadt aufzunehmen und daraus etwas Originelles, Originales zu entwickeln. Irgendetwas mit Essen und/oder Trinken sollte als Teil der Kunst dabei herauskommen, erklärte er bei einem ersten Treffen, und da auch die Migration immer ein Thema für ihn ist, sollten auch Flüchtlinge und andere Zugewanderte aus Baden-Baden einbezogen werden. 


 

Am 10. November wird das Ergebnis seiner Suche öffentlich präsentiert, aber bereits am letzten Samstag war ein kleiner Blick hinter den Vorhang gestattet. Denn eines der Werke wird ein Werbefilm sein, für ein eigens für diese Zwecke gebrautes Schwarzbier – präsentiert von der „schwarzen Gesellschaft“ Baden-Badens. 

 

Auf seiner Suche nach geeigneten Darstellern wurde der Künstler, beziehungsweise das Team der Kunsthalle schnell und unkompliziert fündig, auch wenn es sich zunächst etwas politisch unkorrekt anfühlte, ausschließlich Menschen mit dunkler Hautfarbe zu suchen.




Doch die, die angesprochen wurden, hatten damit keine Probleme, im Gegenteil, sie waren mit der ihnen eigenen Lebenskunst und Begeisterung sofort dabei. Frühmorgens ging es am vergangenen Samstag los, erst mal ging es in die Maske zum Schminken und Frisieren, dann zum Einkleiden. Das Ergebnis war atemberaubend! Wie schade, dass wir diese Farbenvielfalt und Eleganz nicht öfter in der Stadt sehen. So blühte und lachte und feierte die schwarze Gesellschaft in den Sälen des noblen Casinos - leider hinter geschlossenen Türen - und der Künstler war mittendrin und hatte sichtlich Spaß am Entstehen seines neuen Werkes. 


 

Und auch die Hauptpersonen genossen ihren Auftritt! Die Frauen verwandelten sich in ihren malerischen Gewändern und Highheels und kunstvollen Frisuren zu wahren Königinnen und manche fragte sich angesicht der Verwandlung: "Warum trage ich eigentlich immer schwarz?" Und die Reaktion eines der männlichen Darsteller auf Facebook war, freu übersetzt: "Ein wundervoller Tag mit Freunden, gut für unser Ego."

Noch ist natürlich etliches in Bewegung und in Planung, aber schon heute können wir sehr gespannt sein, was die Kunsthalle unter dem sperrigen Titel „If found please return to Lagos“ am 10. November - neben Werbefilm und Schwarzbier - zur großen Ausstellungseröffnung präsentieren wird! 


 

Bis dahin dürfen Sie aber auf keinen Fall die sensationelle Ausstellung des Chinesen Liang Shuo verpassen. Sie ist noch bis zum 15. Oktober zu sehen. Hier geht es zum Bericht darüber => KLICK

 




Hier geht es zur Webseite der staatlichen Kunsthalle => KLICK










Samstag, 30. September 2017

Junges Theater 2017


"Junges Theater" Baden-Baden - 
Neuer Name, gleiche Begeisterung

Aus Kindern werden Leute oder: Man kann gar nicht früh genug anfangen, Menschen für das Theater zu begeistern.

Vor 13 Jahren fing alles an: Da wurde unter Intendantin Nicola May das Kinder- und Jugendtheater im Kulissenhaus (TiK) geboren. Das Baby wuchs heran und entwickelte sich prächtig. Bald gab es ein eigenes Programm, Gastspiele, Produktionen mit dem Kinder- und dem Jugendclub U22, theaterpädagogische Angebote für Schulen und Lehrer bis hin zum großen Festival „Fit fürs Abi in fünf Tagen.“




Nun ist das Kind in die Pubertät gekommen und hat mit Leona Lejeune eine neue dramaturgische Leitung und damit viel frischen Wind unter die Flügel erhalten. Äußeres Zeichen hierfür ist zum einen ein neuer Name: „Junges Theater Baden-Baden“ heißt der Sprössling ab sofort, und ein neu entwickeltes Logo zeigt, wohin die Reise gehen wird, nämlich in die - ins große Haus integrierte - Selbständigkeit. Ist das Logo ein schräges Aufrufezeichen? Oder eher ein Lautsprecher? So ganz festlegen wollten sich die Beteiligten der Pressekonferenz gestern nicht, als unter Leitung von Pressereferentin Julia Klaas der neue Markennamen und das neue Programm präsentiert wurden. 

Pressekonferenz des Jungen Theaters mit (von links) Julia Klaas, Isabell Dachsteiner und Leona Lejeune
 

Einig waren sich alle aber, dass der Funke jugendliche Elans überspringen wird auf die ins Auge gefasste Zielgruppe, nämlich das Publikum von heute und morgen. Bereits Kinder ab zwei Jahren sollen sich demnächst auf eine Spurensuche ins Theater begeben können – und man ist auch mobil genug, um direkt ins Klassenzimmer zu kommen.

Die Leiterin des Jungen Theaters, Leona Lejeune, konnte genauso wie Theaterpädagogin Isabell Dachsteiner zu Recht stolz sein auf das Angebot, das man Kindern und Jugendlichen in der kommenden Spielzeit präsentieren will. 



 
Das Programm

Die ganze Kleinen ab zwei Jahren wird man, wie gesagt, im April 2018 dazu bringen, Spuren zu finden, zu zeichnen und zu hinterlassen (Gastspiel des Helios-Theater, Hamm), für Kinder ab vier Jahren ist das Gastspiel des marotte-Figurentheaters Karlsruhe geeignet, das diesmal „Das kleine Gespenst“ im Gepäck haben wird, und ab 5 Jahre geeignet ist der vorprogrammierte Renner des Winters, das Weihnachtsmärchen im großen Haus „Pippi Langstrumpf“, das übrigens binnen zwei Tagen bereits fast ausverkauft war. Nur für die Familienvorstellung gibt es noch Karten, dies aber nur, weil der Vorverkauf hierfür erst am 15. Oktober beginnen wird. Für „Pippi“ wird es übrigens wieder einen Malwettbewerb geben, Einsendeschluss ist am 20. Oktober. Das schönste Bild wird wieder als Plakat verwendet.

Ab 6 Jahre geeignet ist die Kinderoper „Ritter Parzifal“, die – kindgerecht gekürzt - während der Osterfestspiele in Zusammenarbeit mit dem Festspielhaus gezeigt wird.
Ab acht Jahre beziehungsweise für die ganze Familie ist ein französisches Gastspiel geeignet, das Mitte Januar angeboten wird, ein körperliches, artistisches Spiel, das man auch ohne Französisch-Kenntnisse verstehen sollte.

Eine Uraufführung für Kinder ab zehn Jahre wird ab 11. März im TIK zu sehen sein: Die „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, mit einer völlig neuen Rahmenhandlung, die gerade noch entwickelt wird.
Mit „Ronny von Welt“ wird das junge Theater auf Wunsch ins Klassenzimmer kommen, "Patricks Trick" wird wieder aufgenommen, und als Premiere für über 15jährige (im Programmheft steht noch ab 14) wird ab Mitte November „Auerhaus“ gezeigt, dem das gleichnamige Buch zugrund liegt, welches als Nachfolgeroman von „Tschick“ gehandelt wird und eine vielleicht utopische Lebensform und die Frage zum Thema hat: „Will ich so leben, wie meine Eltern?“
Bleibt noch zu erwähnen, dass natürlich auch der Jugendclub U 22 und der Kinderclub U12 demnächst mit der Einarbeitung neuer Stücke beginnen werden. 

 

Das Känguru hüpft wieder

Und dann war da noch dieses Skandalstück der letzten Saison, das gar kein Skandal war, sondern die Freundschaft zum Thema hatte und nicht das Schwulsein, das aber trotzdem von Eltern in Baden-Baden boykottiert wurde... (hier geht es zu meinem Bericht darüber => KLICK ).

Nun, ins Programmheft hat es „Ein Känguru wie du“ aus zeitlichen Gründen nicht geschafft, aber man hat kurzfristig entschieden, das Stück – wenn auch als abgespecktes Live-Hörspiel – wieder anzubieten! Und da die Bühnen bereits komplett verplant waren, als man sich zur Wiederbelebung entschloss, können die Schulen das umstrittene Stück nun als mobile Aufführung direkt ins Klassenzimmer anfordern – es kommt postwendend! - zusammen mit einem umfassenden theaterpädagogischen Rahmenprogramm. Nun sind alle gespannt, ob das Angebot auch tatsächlich angenommen wird.


Pädagogik

Und da wir hier von jungem Theater reden, steht naturgemäß die Theaterpädagogik von Isabell Dachsteiner im Fokus. Es wird stückbezogene Pädagogentreffs geben, Workshops, Begleitmaterialien in Hülle und Fülle, nach jeder Schulvorführung im TIK wird es für die Schulklassen ein Nachgespräch mit dem Ensemble geben, ein Sprachförderprojekt mit einem Kindergarten wird ins Leben gerufen, an der Theodor-Heuss-Schule wird der Beginn einer Theater-AG begleitet, Werkrealschule und Museum LA8 werden sich auf eine Zeitreise 100 Jahre zurück begeben und auch die überaus beliebte und erfolgreiche offene Bühne, Open-Stage, in Kooperation mit dem JuBa e.V. wird es am 28. April wieder geben. (Bewerbungsschluss für Performance-CDs und Videos ist der 13. April.)

Natürlich geht auch „Fit fürs Abi in 5 Tagen“ wieder ins Programm, diesmal werden einige Aufführungen als Gastspiel zu sehen sein, und sogar Stoff für das Musik-Abitur wird dieses Jahr dabei sein.

Es gibt also viel zu tun für das kleine Team. Umso mehr hofft man nun im Jungen Theater, dass auch der Gemeinderat diese Arbeit unterstützt und eine Inspizientenstelle für die technische Abwicklung bewilligt. In den letzten Jahren hatte man sich mit ständig wechselnden Kräften aus dem „Freiwilligen Sozialen Jahr“ beholfen, die aber jedes Mal neu eingearbeitet werden mussten und oft überfordert waren. Für Qualitätssicherung bei steigender Nachfrage wäre wirklich ein Spezialist in Festanstellung notwendig, hieß es. 
 

Sorgenkind Familienvorstellungen

Bei der Angebotsfülle ist eigentlich volles Haus garantiert, und die Begeisterung der Organisatorinnen trägt sicher sein übriges dazu bei. Lediglich die Familienvorstellungen laufen offenbar schlecht. Woran das liegt, hat man noch nicht herausgefunden. Und ob das auch dieses Jahr so sein wird, bleibt abzuwarten. Die Zeichen stehen gut, dass es diesmal anders kommen könnte. Am Programm und an den begeisterten Mitwirkenden kann es jedenfalls nicht liegen.




Und hier das Programm im Detail zum Nachlesen => KLICK