Freitag, 25. November 2016

Kunsthalle - Müller


Schuhe aus und rein ins Kunst-Vergnügen!


Ja, richtig: Wer die neueste Ausstellung in der staatlichen Kunsthalle ansehen möchte, muss zuerst die Schuhe ausziehen – am besten auch gleich die Strümpfe mit dazu. Nur dann kann man mit allen Sinnen Kunst erleben – oder jedenfalls das, was Michael Müller darunter versteht. 




Wir – die etwas zaghaften Laien – müssen diese Kunst nicht verstehen, sondern sollen einfach nur Spaß daran haben. Wir können durch feinen Quarzsand laufen, durch nassen Lehm waten und über weichen Teppichboden schreiten, wir können "nicht sichtbare Kunst" erleben und blinde Fische bestaunen oder uns in ein beklemmendes dunkles Verließ begeben, dessen verschmutzte Kacheln ab und zu durch eine unregelmäßig flackernde Neonröhre erhellt werden (die übrigens im Morsealphabet Homers Odyssee nacherzählt) – kurz: Uns einfach überwältigen lassen. Denn genau ist das Ziel dieser Ausstellung „SKITS.13 Ausstellungen in 9 Räumen“.

Allein die Installation der Ausstellung in den vergangenen WOCHEN hat vom Team der Kunsthalle, allen voran Kurator Hendrik Bündge, alles abverlangt. Aber es hat sich gelohnt.



Was kann man sehen? Was will uns der Künstler Michael Müller sagen?

Kunsthallen-Chef Johan Holten lächelt verschmitzt. „Das kann man nicht auf einen Satz beschränken oder gar zum Hashtag herunterkürzen“, sagt er den Pressevertretern am Tag vor der offiziellen Ausstellungseröffnung. Diese Ausstellung könne man niemals ganz erfassen.

Was ist Kunst? Das fragt man sich daher auch unweigerlich, wenn man staunend durch die verwandelten, verfremdeten Räume streift. Und während man sich wundert und staunt und fühlt und lächelt – erfährt man ganz nebenbei und unbewusst eben doch die Antwort auf diese Frage...



Der große Saal ist mit Sand bedeckt, man darf und soll hindurchwaten! Ein Baumgerippe ragt heraus, halbnackte junge Menschen streicheln Steine oder harken Sand in Zeitlupe, später werden sie, begleitet von sphärenhafter Musik, den Pressevertretern eine Kostprobe dessen geben, was das Publikum heute Abend zur Eröffnung erwarten wird: Die vierstündige „Dritte Probe für Nietzsches Geburtstagsparty 2313“ ... Klingt verrückt? Ist es auch ein bisschen. Vielleicht. In gewisser Weise. Nach der Kostprobe gestern kann ich nur allen Besuchern von heute Abend raten: Lassen Sie sich darauf ein. Setzen sich an den Rand der Halle, hören Sie und sehen Sie zu. Schütteln Sie alles zunächst Befremdliche ab. Sie werden mit einem intensiven Erlebnis belohnt. Hier Fotos der gestrigen Performance vor der Presse: 







Was kann man sonst noch sehen? Einen Raum voller kryptischer Traktate – Michael Müllers Version von Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“, in jahreslanger Kleinarbeit übertragen in eine eigens erfundene Schrift namens K4... (Derzeit existieren 240 000 Einzelzeichen...) 




Ein ausgestopfter Kakadu vor einem Spiegel mit Sprechblase. 




Wände voller Anglerglück-Fotos. 




Eine Ansammlung von Tonplastiken, so viele, wie der Künstler an einem Tag formen konnte. 



Fische - vor einem Bild, das nur sie sehen könnten, wären sie nicht blind.



Ein Originalgemälde von Jan Brueghel, dem Jüngeren. 



Eine Verfremdung Dürers. 




Eine „Passage auf dem Nil“ inklusive nassem Ton, durch den man waten darf (Seife und Handtücher warten am Ende der Installation; wer Glück hat, dem wäscht der Künstler auch eigenhändig die Füße.) 

Gestapelte Plastiksessel. 



Eine Abhandlung über die Farbe Rosa. 




Und, und, und... Wie gesagt, es ist nicht Sinn des Rundgangs, alles zu erfassen. Und erst recht nicht, alles zu verstehen. Aber es wird ein absolut unvergessliches Erlebnis sein.

Und doch, sehr geehrter Herr Holten, gibt es sehr wohl einen Hashtag: #„Wow“! 

 

Heute um 19 Uhr wird die Ausstellung feierlich eröffnet, der Eintritt ist frei. 

Die Ausstellung ist ab morgen bis 19. Februar 2017 zu sehen.
Eintritt 7 Euro, montags geschlossen, freitags ist der Eintritt frei. Öffentliche Führungen jeden Freitag um 15 Uhr. Audioguide in deutscher Sprache steht kostenlos zur Verfügung, Führungen in Fremdsprachen auf Anfrage möglich.

Und hier noch ein paar Links:

1.) Interviews von ZDF-Aspekte:

Mit dem Künstler Michael Müller => KLICK 




Mit dem Kurator Hendrik Bündge => KLICK

Mit Kunsthallenchef Johan Holten => KLICK

2.) Webseite des Künstlers Michael Müller => KLICK

3.) Wikipedia => KLICK

4.) Und natürlich ein Experten-Bericht auf dem Blog Mercurius-Baden-Baden.de => KLICK

















https://www.zdf.de/kultur/aspekte/johan-holten-interview-100.html


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