Dienstag, 3. Oktober 2017

Ogboh - 1


Eine neues Kunstprojekt entsteht vor Ort:
Lebenslust und Eleganz und schwarzes Bier 

Während in der staatlichen Kunsthalle Baden-Baden der chinesische Künstler Liang Shuo die Besucher mit seinen sensationellen Gebirgen aus Holz erstaunt und begeistert, bereitet das rührige junge Team des Hauses längst die nächste Ausstellung vor. Wieder wird es komplett Anderes, nie da Gewesenes sein, wieder entwickelt sich die Ausstellung eher spontan, man wusste zu Beginn nicht, was man „eingekauft“ hatte, nur: wen! Nämlich den international tätigen Künstler Emeka Ogboh aus Nigeria.




Emeka Ogboh beschäftigt sich, so die Information der Kunsthalle, in seinen Werken mit Themen wie Diaspora, Migration, Identität, kulturellen Ritualen, bis hin zu globalpolitischen Fragen der Mobilität und Herkunft. Mit der Documenta 14 in Athen und Kassel und den Skulptur Projekten Münster ist er in diesem Jahr bei zwei der wichtigsten Plattformen für zeitgenössische Kunst vertreten. 


 

Schon im Frühjahr tauchte er in Baden-Baden auf, streifte durch Straßen und über Plätze, versuchte, das Typische der Stadt aufzunehmen und daraus etwas Originelles, Originales zu entwickeln. Irgendetwas mit Essen und/oder Trinken sollte als Teil der Kunst dabei herauskommen, erklärte er bei einem ersten Treffen, und da auch die Migration immer ein Thema für ihn ist, sollten auch Flüchtlinge und andere Zugewanderte aus Baden-Baden einbezogen werden. 


 

Am 10. November wird das Ergebnis seiner Suche öffentlich präsentiert, aber bereits am letzten Samstag war ein kleiner Blick hinter den Vorhang gestattet. Denn eines der Werke wird ein Werbefilm sein, für ein eigens für diese Zwecke gebrautes Schwarzbier – präsentiert von der „schwarzen Gesellschaft“ Baden-Badens. 

 

Auf seiner Suche nach geeigneten Darstellern wurde der Künstler, beziehungsweise das Team der Kunsthalle schnell und unkompliziert fündig, auch wenn es sich zunächst etwas politisch unkorrekt anfühlte, ausschließlich Menschen mit dunkler Hautfarbe zu suchen.




Doch die, die angesprochen wurden, hatten damit keine Probleme, im Gegenteil, sie waren mit der ihnen eigenen Lebenskunst und Begeisterung sofort dabei. Frühmorgens ging es am vergangenen Samstag los, erst mal ging es in die Maske zum Schminken und Frisieren, dann zum Einkleiden. Das Ergebnis war atemberaubend! Wie schade, dass wir diese Farbenvielfalt und Eleganz nicht öfter in der Stadt sehen. So blühte und lachte und feierte die schwarze Gesellschaft in den Sälen des noblen Casinos - leider hinter geschlossenen Türen - und der Künstler war mittendrin und hatte sichtlich Spaß am Entstehen seines neuen Werkes. 


 

Und auch die Hauptpersonen genossen ihren Auftritt! Die Frauen verwandelten sich in ihren malerischen Gewändern und Highheels und kunstvollen Frisuren zu wahren Königinnen und manche fragte sich angesicht der Verwandlung: "Warum trage ich eigentlich immer schwarz?" Und die Reaktion eines der männlichen Darsteller auf Facebook war, freu übersetzt: "Ein wundervoller Tag mit Freunden, gut für unser Ego."

Noch ist natürlich etliches in Bewegung und in Planung, aber schon heute können wir sehr gespannt sein, was die Kunsthalle unter dem sperrigen Titel „If found please return to Lagos“ am 10. November - neben Werbefilm und Schwarzbier - zur großen Ausstellungseröffnung präsentieren wird! 


 

Bis dahin dürfen Sie aber auf keinen Fall die sensationelle Ausstellung des Chinesen Liang Shuo verpassen. Sie ist noch bis zum 15. Oktober zu sehen. Hier geht es zum Bericht darüber => KLICK

 




Hier geht es zur Webseite der staatlichen Kunsthalle => KLICK










Samstag, 30. September 2017

Junges Theater 2017


"Junges Theater" Baden-Baden - 
Neuer Name, gleiche Begeisterung

Aus Kindern werden Leute oder: Man kann gar nicht früh genug anfangen, Menschen für das Theater zu begeistern.

Vor 13 Jahren fing alles an: Da wurde unter Intendantin Nicola May das Kinder- und Jugendtheater im Kulissenhaus (TiK) geboren. Das Baby wuchs heran und entwickelte sich prächtig. Bald gab es ein eigenes Programm, Gastspiele, Produktionen mit dem Kinder- und dem Jugendclub U22, theaterpädagogische Angebote für Schulen und Lehrer bis hin zum großen Festival „Fit fürs Abi in fünf Tagen.“




Nun ist das Kind in die Pubertät gekommen und hat mit Leona Lejeune eine neue dramaturgische Leitung und damit viel frischen Wind unter die Flügel erhalten. Äußeres Zeichen hierfür ist zum einen ein neuer Name: „Junges Theater Baden-Baden“ heißt der Sprössling ab sofort, und ein neu entwickeltes Logo zeigt, wohin die Reise gehen wird, nämlich in die - ins große Haus integrierte - Selbständigkeit. Ist das Logo ein schräges Aufrufezeichen? Oder eher ein Lautsprecher? So ganz festlegen wollten sich die Beteiligten der Pressekonferenz gestern nicht, als unter Leitung von Pressereferentin Julia Klaas der neue Markennamen und das neue Programm präsentiert wurden. 

Pressekonferenz des Jungen Theaters mit (von links) Julia Klaas, Isabell Dachsteiner und Leona Lejeune
 

Einig waren sich alle aber, dass der Funke jugendliche Elans überspringen wird auf die ins Auge gefasste Zielgruppe, nämlich das Publikum von heute und morgen. Bereits Kinder ab zwei Jahren sollen sich demnächst auf eine Spurensuche ins Theater begeben können – und man ist auch mobil genug, um direkt ins Klassenzimmer zu kommen.

Die Leiterin des Jungen Theaters, Leona Lejeune, konnte genauso wie Theaterpädagogin Isabell Dachsteiner zu Recht stolz sein auf das Angebot, das man Kindern und Jugendlichen in der kommenden Spielzeit präsentieren will. 



 
Das Programm

Die ganze Kleinen ab zwei Jahren wird man, wie gesagt, im April 2018 dazu bringen, Spuren zu finden, zu zeichnen und zu hinterlassen (Gastspiel des Helios-Theater, Hamm), für Kinder ab vier Jahren ist das Gastspiel des marotte-Figurentheaters Karlsruhe geeignet, das diesmal „Das kleine Gespenst“ im Gepäck haben wird, und ab 5 Jahre geeignet ist der vorprogrammierte Renner des Winters, das Weihnachtsmärchen im großen Haus „Pippi Langstrumpf“, das übrigens binnen zwei Tagen bereits fast ausverkauft war. Nur für die Familienvorstellung gibt es noch Karten, dies aber nur, weil der Vorverkauf hierfür erst am 15. Oktober beginnen wird. Für „Pippi“ wird es übrigens wieder einen Malwettbewerb geben, Einsendeschluss ist am 20. Oktober. Das schönste Bild wird wieder als Plakat verwendet.

Ab 6 Jahre geeignet ist die Kinderoper „Ritter Parzifal“, die – kindgerecht gekürzt - während der Osterfestspiele in Zusammenarbeit mit dem Festspielhaus gezeigt wird.
Ab acht Jahre beziehungsweise für die ganze Familie ist ein französisches Gastspiel geeignet, das Mitte Januar angeboten wird, ein körperliches, artistisches Spiel, das man auch ohne Französisch-Kenntnisse verstehen sollte.

Eine Uraufführung für Kinder ab zehn Jahre wird ab 11. März im TIK zu sehen sein: Die „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, mit einer völlig neuen Rahmenhandlung, die gerade noch entwickelt wird.
Mit „Ronny von Welt“ wird das junge Theater auf Wunsch ins Klassenzimmer kommen, "Patricks Trick" wird wieder aufgenommen, und als Premiere für über 15jährige (im Programmheft steht noch ab 14) wird ab Mitte November „Auerhaus“ gezeigt, dem das gleichnamige Buch zugrund liegt, welches als Nachfolgeroman von „Tschick“ gehandelt wird und eine vielleicht utopische Lebensform und die Frage zum Thema hat: „Will ich so leben, wie meine Eltern?“
Bleibt noch zu erwähnen, dass natürlich auch der Jugendclub U 22 und der Kinderclub U12 demnächst mit der Einarbeitung neuer Stücke beginnen werden. 

 

Das Känguru hüpft wieder

Und dann war da noch dieses Skandalstück der letzten Saison, das gar kein Skandal war, sondern die Freundschaft zum Thema hatte und nicht das Schwulsein, das aber trotzdem von Eltern in Baden-Baden boykottiert wurde... (hier geht es zu meinem Bericht darüber => KLICK ).

Nun, ins Programmheft hat es „Ein Känguru wie du“ aus zeitlichen Gründen nicht geschafft, aber man hat kurzfristig entschieden, das Stück – wenn auch als abgespecktes Live-Hörspiel – wieder anzubieten! Und da die Bühnen bereits komplett verplant waren, als man sich zur Wiederbelebung entschloss, können die Schulen das umstrittene Stück nun als mobile Aufführung direkt ins Klassenzimmer anfordern – es kommt postwendend! - zusammen mit einem umfassenden theaterpädagogischen Rahmenprogramm. Nun sind alle gespannt, ob das Angebot auch tatsächlich angenommen wird.


Pädagogik

Und da wir hier von jungem Theater reden, steht naturgemäß die Theaterpädagogik von Isabell Dachsteiner im Fokus. Es wird stückbezogene Pädagogentreffs geben, Workshops, Begleitmaterialien in Hülle und Fülle, nach jeder Schulvorführung im TIK wird es für die Schulklassen ein Nachgespräch mit dem Ensemble geben, ein Sprachförderprojekt mit einem Kindergarten wird ins Leben gerufen, an der Theodor-Heuss-Schule wird der Beginn einer Theater-AG begleitet, Werkrealschule und Museum LA8 werden sich auf eine Zeitreise 100 Jahre zurück begeben und auch die überaus beliebte und erfolgreiche offene Bühne, Open-Stage, in Kooperation mit dem JuBa e.V. wird es am 28. April wieder geben. (Bewerbungsschluss für Performance-CDs und Videos ist der 13. April.)

Natürlich geht auch „Fit fürs Abi in 5 Tagen“ wieder ins Programm, diesmal werden einige Aufführungen als Gastspiel zu sehen sein, und sogar Stoff für das Musik-Abitur wird dieses Jahr dabei sein.

Es gibt also viel zu tun für das kleine Team. Umso mehr hofft man nun im Jungen Theater, dass auch der Gemeinderat diese Arbeit unterstützt und eine Inspizientenstelle für die technische Abwicklung bewilligt. In den letzten Jahren hatte man sich mit ständig wechselnden Kräften aus dem „Freiwilligen Sozialen Jahr“ beholfen, die aber jedes Mal neu eingearbeitet werden mussten und oft überfordert waren. Für Qualitätssicherung bei steigender Nachfrage wäre wirklich ein Spezialist in Festanstellung notwendig, hieß es. 
 

Sorgenkind Familienvorstellungen

Bei der Angebotsfülle ist eigentlich volles Haus garantiert, und die Begeisterung der Organisatorinnen trägt sicher sein übriges dazu bei. Lediglich die Familienvorstellungen laufen offenbar schlecht. Woran das liegt, hat man noch nicht herausgefunden. Und ob das auch dieses Jahr so sein wird, bleibt abzuwarten. Die Zeichen stehen gut, dass es diesmal anders kommen könnte. Am Programm und an den begeisterten Mitwirkenden kann es jedenfalls nicht liegen.




Und hier das Programm im Detail zum Nachlesen => KLICK








Freitag, 29. September 2017

Europa


Ein Denkmal steht im Abseits... 

Hundertmal kann man an diesem Denkmal vorbeilaufen, ohne es bewusst wahrzunehmen, weil es etwas versteckt ist. Als würde man sich für Europa schämen. Schade eigentlich. 
 




Der Text lautet: "Auf eine Initiative des Herrn Pierre BONNET hin, des Präsidenten des Baden-Badener "Souvenir Francais" Komitees, ist dieses Denkmal dazu bestimmt, allen Menschen, Männern wie Frauen, Ehre zu erweisen und ihnen zu danken, daß sie aus allen Erdteilen gekommen waren, um sich für den "Frieden und die Freiheit in Europa" zu mühen und sich dafürnoch weiter bemühen. 
Unser Dank gilt auch allen denen, die durch ihre Spende, ihre Arbeit, ihre Bereitschaft dieses Projket ermöglicht haben - ohne jegliche Hilfe von Regierungen."

Wer weiß, wo das Denkmal steht? Morgen wird es verraten.

Aktualisierung: Hier steht es: Wie Aschenputtel in der Nähe des Jobcenters in der Cité.  







Mittwoch, 13. September 2017

Angekommen in Baden-Baden


Angekommen in Baden-Baden - 
Film zur interkulturellen Woche 

2017 beteiligt sich das Bündnis "Baden-Baden ist bunt" wieder bei den interkulturellen Wochen in Baden-Baden, und zwar mit einem Film über die Situation einiger Flüchtlinge in Baden-Baden. Titel: "Angekommen in Baden-Baden - aus Flüchtlingen werden Mitbürger". 

Hier der Trailer => KLICK

oder klicken Sie bitte aufs Foto:
 


 

Termin: Dienstag, 19. September, 19 Uhr, Cineplex Kino.



 

Yannik aus Kamerun wollte schon immer bei der deutschen Müllabfuhr arbeiten - und hat es geschafft, Samson aus Nigeria findet hoch droben im Schwarzwald in einer Biker-Kneipe seine neue Heimat und spielt abends in Baden-Baden mit deutschen Freunden in einer Freizeitband, die mit Begeisterung auch afrikanische Rhythmen einübt, Alaa aus Syrien schüttelt in einer In-Bar der Stadt die exotischsten Cocktails aus dem Ärmel... Neun solcher - nicht repräsentativer - Erfolgsbeispiele hat das Bündnis „Baden- Baden ist bunt“ mit ehrenamtlicher Unterstützung von Auszubildenden des SWR zuhause und am Arbeitsplatz aufgesucht, um zu dokumentieren, wie die einst fremden Flüchtlinge, die in den letzten zwei, drei Jahren übers Meer zu uns nach Deutschland flohen, in Baden-Baden heimisch und erfolgreich wurden.



Die ausgewählten Mitbürger aus verschiedenen Herkunftsländern berichten in dem Film über ihre Sehnsüchte, ihre Träume, aber auch ihre Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache und über ihre Eindrücke und Erlebnisse in Baden-Baden. Szenen beleuchten ihren Alltag, sei es im Beruf oder am heimischen Herd, hautnah, unverfälscht, authentisch. Am Ende steht bei manchen aber auch die Ablehnung ihrer Asylanträge...




Lassen Sie sich mitnehmen in ihre Welt, freuen Sie sich über ihre Schritte in die Normalität, begleiten Sie sie bei ihren Hobbys, lernen Sie sie kennen als Botschafter und leuchtende Beispiele dafür, wie Integration in unserer Stadt laufen kann.



Es gibt außer den im Film gezeigten Beispielen natürlich noch viele Menschen, die es „geschafft“ haben und in Baden-Baden angekommen sind (auch ein alter Bekannter, Abdullah, Rajab Almalla, der Regisseur des letztjährigen Films "Schatten", wird am Dienstag zu Wort kommen!) - aber, und das sei nicht verschwiegen, auch einige, bei denen es nicht so gut geklappt hat.

Damit wird sich im Anschluss an den Film eine Podiumsdiskussion befassen. Es diskutieren unter anderem Bürgermeister Michael Geggus, der Geschäftsführer des Jobcenters, Gerald Maisberger, die Leiterin der Volkshochschule, Monika Burck, und Ludwig Herfs vom Arbeitskreis Asyl.
Moderation: Patrick Fritsch 
 
Durch den Abend führt die Integrationsbeauftragte Svetlana Bojcetic. 
 
Eintritt 4 Euro ohne Ermäßigung. Der Reingewinn kommt den Bike-Docs in Baden-Baden zugute, die die Füchtlinge aller Unterkünfte zur dunklen Jahreszeit bei der Beleuchtung ihrer Fahrräder unterstützen möchten.

Kartenreservierung (freie Platzwahl) ab sofort im Cineplex möglich.
Tel. 07221 92 29 000
oder online hier => KLICK


Mittwoch, 6. September 2017

ikw 2017 BAD

Interkulturelle Wochen 2017 in Baden-Baden


Mit einem stattlichen und kunterbunten Programm startet die Interkulturelle Woche 2017 in ihr 15jähriges Bestehen, und aus einer Woche sind inzwischen vier geworden: Vom 14. September bis 14. Oktober präsentieren 25 Veranstalter Kultur pur, angefangen von Theater, Lesen, Musik, Tanz, Workshops bis hin zu vielen Filmvorführungen. 




Der Leiterin des Fachbereich Bildung und Soziales, Iska Dürr, und der kommunale Integrationsbeauftragten Svetlana Bojcetic, war der Stolz über diese Veranstaltungsreihe ins Gesicht geschrieben, als sie gestern die Presse im Beisein vieler Organisatoren über die zahlreichen Vorhaben informierten. 




Kultur nehme eine wichtige Funktion bei der Integration ein, meinte Iska Dürr zur Einleitung, schon letztes Jahr habe man gesehen, dass auch die aktuellen Themen Zugpferde bei den Teilnehmern waren: Weit mehr als tausend Besucher konnte man bei den einzelnen Veranstaltungen zählen, allein 500 kamen zu den zwei Vorführungen des Films "Schatten" von Abdullah Rajab Almalla. 




Diese junge Syrer sorgt auch dieses Jahr wieder für Aufsehen: Mit seiner Unterwassserausstellung "Untergegangen", bei der er 16  großformatige Fotos aus dem heutigen Aleppo im Augustasee verankert, will er an die 3771 Menschen erinnern, die allein 2016 auf dem Weg über das Mitttelmeer ertrunken sind. In enger Zusammenarbeit mit bis heute in Aleppo lebenden jungen Fotografen hat er diese Ausstelung in monatelanger Arbeit konzipiert. Die Eröffnung der Ausstellung ist am Montag, 18. September, um 16 Uhr im Beisein von Oberbürgermeisterin Margret Mergen. 




Einen Tag später, am 19. September, wird um 19 Uhr im Cineplex ein Film des Bündnisses "Baden-Baden ist bunt" gezeigt, in dem neun Geflüchtete erzählen, wie sie in Baden "angekommen" sind. Sie wurden am Arbeitsplatz und privat von einem ehrenamtlichen Team gefilmt, das Auszubildende des SWR in ihrer Freizeit unterstützten. Auch die Ausrüstung wurde unentgeltlich vom SWR zur Verfügung gestellt. Die Flüchtlinge geben in diesem Film in eigenen Worten wieder, wie sie es "geschafft" haben, Mitbürger in Baden-Baden zu werden. In der sich anschließenden Podiumsdiskussion kommen aber auch die Schicksale anderer Flüchtlinge zu Sprache, die nicht so viel Glück hatten. Für den Abend wird es dieses Mal einen Kartenvorverkauf geben (Eintritt ermäßigt 4 Euro, freie Platzwahl), der ab dem Wochenende im Cineplex angeboten wird. 

Cineplex und Moviac zeigen im Rahmen der interkulturellen Wochen mehrere Filme, vor allem im Moviac ist es inzwischen schon Tradition, passend zum interkulturellen Programm Sonntagsmatineen anzubieten. Hier werden auch zum Schluss der Veranstaltungsreihe, am Freitag, 13. Oktober, um 18 Uhr gleich drei Baden-Badener Filme kostenlos (Reservierungen aber erwünscht) hintereinander gezeigt: Der Film "Schatten" vom letzten Jahr, der Film "Angekommen in Baden-Baden" aus diesem Jahr, sowie der Kurzfilm "80 qm Integration". Der Film "Die letzten Männer von Aleppo" über die Arbeit der Weißhelme in Aleppo (Montag, 18. 9 im Cineplex, Donnerstag, 21. 9. im Moviac mit Diskussion mit dem Co-Produzenten) wird für große Betroffenheit sorgen.




Wer unter den Neuzugewanderten kunstinteressiert ist, wird sich bestimmt über zwei Möglichkeiten freuen, der Kunst im Burda-Museum zu begegnen. Brigitte von Stebut, die selber mehrere Jahre in Afrika gelebt hat und mit ihrem Angebot ein wenig der dort erfahrenen Herzlichkeit zurückgeben möchte, wird direkt vor den Bildern der derzeitigen Ausstellung mit den Interessierten ins Gespräch kommen. (Dientag, 26. 9 um 16.45 Uhr und Samstag, 30. 9. um 10.30 Uhr).

Aus dem Wunsch, die Wurzeln zu behalten und sich dennoch auf neues einzulassen, ist in einem mehrwöchigen Projekt unter Leitung der Schauspielerin und Theaterpädagogin Silke Nawrocki ein "Wörterbuch des neuen Zusammenlebens" entstanden, das am Mitwoch, 4. Oktober, um 19 Uhr in der Stadtbibliothek vorgestellt wird und für neue Visionen des Zusammenlebens sorgen soll.

Internationale christliche Gottesdienste, Tag der offenen Moschee und der offenen Synagoge, Tanzworkshops, Konzerte und ein Vortrag üebr Integration durch die Buchautorin Annette Treibel am Freitag, 29. September um 19.15 Uhr im Bonhoeffersaal runden das Programm ab, das hier nur mit einigen Highlights vorgestellt werden konnte. 

Das ganze Programm können Sie hier nachlesen => KLICK






Außerdem gibt es eine öffentliche Facebookseite, die Sie aufrufen können, ohne sich dafür zu registrieren => KLICK

... auf dieser Seite können Sie auch sehr gerne Foto der Veranstaltungen, die Sie besucht haben, einsenden. (Fotografierte Personen bitte um Erlaubnis zur Veröffentlichung fragen.) Die Fotos werden veröffentlicht und am Ende der interkulturllen Wochen werden die schönsten zu einer Collage zusammengestellt.


Zur offiziellen Webseite mit Gesamtprogramm klicken Sie bitte hier => KLICK oder aufs Bild:







Donnerstag, 27. Juli 2017

45cbm -Pompéry



Flüchtiger Schein der Dinge




So, wie hier oben sehen Sie das Kunstwerk zunächst nicht, wenn Sie den Studioraum 45cbm in der staatlichen Kunsthalle betreten. Im Gegenteil, eigentlich ist dies ein leerer Spiegel, der sich jedoch füllt, wenn Sie davor stehen. Und wenn man sich nun fragt, was dies beeuten soill, lacht die Künstlerin.

Sophia Pompéry ist zwar eine Künstlerin, sich sich etwas denkt. Aber was? Das verrät sie nicht. „Der Betrachter soll sich selbst was denken!“, ermuntert die 34jährige Künstlerin aus Berlin alle Zuschauer, die in den nächsten Wochen bis zum 24. September in die staatliche Kunsthalle kommen und – quasi als Beigabe zur großen Ausstellung Liang Shuo (Bericht dazu finden Sie hier=> KLICK) – 

 


den Weg in den kleinen Studioraum neben dem Café Kunsthalle finden. In der Tat, hier gibt etwas zu sehen und zu denken. Alltagsdinge, Banalitäten fast, die bei näherem Hinschauen gar nicht mehr so alltäglich sind.

Dem flüchtigen Moment will Pompéry besonderen Ausdruck verleihen, und was kann das besser versinnbildlichen als zum Beispiel das Foto von der Passage eines Schiffes auf dem Meer, aufgenommen vom entgegenkommenden Schiff. Die Passage ist nur eine Momentaufnahme – aber welche?


Sind die zwei Flaschen, die so scheinbar einträchtig gegenüberliegen, halb voll (oder halb leer)? „Mich interessieren ganz allgemein Alltagsgegenstände - und die Physik“, sagt die Künstlerin schmunzelnd, und so wird hier ganz unaufgeregt, ja banal das Alltags-Thema Oberflächenspannung ausgereizt.



Hinter der Eingangstür ein weitere Kabinettstückchen, eine Schale voll mit sich spiegelndem Wasser – aber was geschieht, wenn man die Schale langsam austrinkt? Assoziiert man beim Anblick des Gesichts, das sich langsam über die Wasserfläche beugt, nicht automatisch einen Narzissten, der sich so lange selbstverliebt im Spiegelbild des Wassers bewundert, bis er ertrinkt? Nun, das passiert hier nicht.

Aber es passieren andere Dinge: Tritt man, wie oben beschrieben, vor den Spiegel, beginnt dieser sich plötzlich wie von Zauberhand zu füllen...



Und noch etwas passiert – oder auch nicht: Kuratorin Luisa Heese und Sophia Pompéry waren sich gestern beim Aufbau der Ausstellung noch nicht sicher, ob sie weitere Kunstwerke hängen werden oder nicht ...



Wie sie sich endgültig entschieden haben, davon kann man sich morgen Abend überraschen lassen.

Am morgigen Freitag, 28. Juli, um 19 Uhr wird die kleine Ausstellung offiziell – bei freiem Eintritt und kleiner Verköstigung – eröffnet und bis dahin hängt dann bestimmt alles an Ort und Stelle - oder auch nicht. Ein Verwirrspiel: „Wir kennen auch Alltagsdinge eigentlich nicht wirklich, sondern nur unsere Perspektive darauf. Alles kann sich ändern“, fasst Luisa Heese den Sinn der Ausstellung zusammen – in diesem Sinne: viel Spaß! 

Hier geht es zur Webseite der staatlichen Kunsthalle => KLICK 

Der Eintritt zum Studioraum neben dem Restaurant ist immer frei, der Eintritt in die große Ausstellung ist freitags frei.  
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. 





 

Freitag, 21. Juli 2017

Kunsthalle - Liang Shuo


Berge und Wälder aus Holz zum Staunen

Wow! Was für eine Überraschung!

Wer dachte, die Kunsthalle könne sich nicht mehr steigern in der Originalität ihrer wechselnden Ausstellungen, der wird – mal wieder – eines Besseren belehrt. Doch, man kann sich steigern! „Wir wollen unsere Zuschauer immer wieder aufs Neue überraschen“, gesteht Direktor Johan Holten, und er darf sich gerne ein glückliches Lächeln gönnen, denn in der Tat: Es ist gelungen. 


große Halle
 

Nach Geld, Sand und unperfektem Minimalismus nun also Holz. Holzbretter genauer gesagt. Berge von Holzbrettern. Gebirge. Unfassbar, gigantisch, fantasievoll! Bis an die Decke hoch, bestückt mit staksigen symbolhaften Bäumen, mit stilisiertem handgefertigtem „Moos“, modelliert mit Ecken, Vorsprüngen und Tälern wie in der Natur. Entsprechend der Name der ausstellung: DISTANTtantamountMOUNTAIN. Was auf den ersten Blick zufällig und spielerisch aussieht, ist beileibe keine zufällige Beliebigkeit, sondern Ausdruck präziser Systematik, Auswuchs harter Arbeit und großen Fleißes.




Und den beweist der Künstler Liang Shuo noch während der Präsentation für die Presse. Unten im Café berichtet Kunsthallenchef Johan Holten, wie er Liang Shuo auf einer längeren Forschungsreise durch China entdeckte, oben hämmert der Künstler indes unverdrossen weiter an seinem Werk, und ist ein wenig besorgt, ob ihm genügend Zeit bleibt, auch noch den letzten der Ausstellungsräume zu füllen.



Anders als bei anderen Ausstellungen, zu denen fertige Stücke herbeigeschafft werden und der Künstler nur bestimmt, wo man welches Werk platzieren möge, baut Liang Shuo seine Exponate nämlich vor Ort, nur scheinbar zufällig. In Wirklichkeit steckt jede Menge Konstruktionsarbeit und Tüftelei dahinter. Da werden erst einmal die passenden Materialien gesucht, in diesem Fall Holz aus Abbruchobjekten der Region, Deckenlatten einer Abriss-Turnhalle, Bretter aus einer alten Kirche bei Rastatt, ja, sogar ausgediente Holzpodeste der Kunsthalle mussten dran glauben. Dann ging es ans systematische Konstruieren, das festen Regeln wie zum Beispiel in der altchinesische Tuschemalerei folgt. 

 

Für das erste, relativ kleine Stück brauchte der Künstler zwei geschlagene Tage, hämmerte, schraubte und probierte, erfand ein neues System. „Die Unterkonstruktion muss sitzen, von der ersten Schraube an steht die Form bereits fest“, lernten die Gastgeber, und Kunsthallenchef Holten trieb das erst einmal den Schweiß auf die Stirn, wenn er daran dachte, dass in weniger als sechs Wochen die Ausstellung eröffnet werden sollte. In dem Tempo wäre das nicht zu schaffen gewesen, erinnerte er sich gestern vor der Presse. Doch da konnte er dann schon wieder lachen: Mittlerweile entstanden auf den 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche der Kunsthalle regelrecht über Nacht riesige Gebirge. Bis nach Mitternacht werkelte der Künstler in den letzten Wochen täglich ohne Pause, ohne Wochenende. Was er geschaffen hat, kann und muss den Betrachtern begeistern.


Wasserfall


Berge, Brücken, stilisierte kleine Holzstücke, die den Moosbewuchs der Berge darstellen sollen, ein Wasserfall und die Spitze eines Berges, die aus dem grauen Boden der Kunsthalle emporwächst wie aus einer Wolkendecke – es ist einfach unglaublich, was der Künstler in der kurzen Zeit erschaffen hat. 






 




Alles in allem also eine absolut sehenswerte Ausstellung und tatsächlich, liebe Kunsthalle: Überraschung geglückt!


Innenansicht des Gebirges in der großen Halle


Heute ist um 19 Uhr bei freiem Eintritt feierliche Eröffnung der Ausstellung im ebenfalls neu gestalteten Café. Petra Olschowski, Staatssekretärin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, wir die Gäste begrüßen, Direktor Johan Holten wird die Einführung übernehmen. Anschließend wird ab 21 Uhr das traditionelle Sommerfest auf der Alleeterrasse gefeiert.




Über den Künstler:
Liang Shuo (1976 im nordchinesischen Tianjin geboren) lebt und arbeitet in Peking. Sein Studium der klasshischen Bildhauerei an der Central Academy of Fine Arts in Peking beendete er im Jahr 2006. Neben einer vielzahl von einzelausstellungen in China waren seine Werke bereits interenational in zahlreichen Gruppenausstellungen zu sehen.

Die Ausstellung:
Öffnungszeiten
22. Juli bis 15. Oktober 2017
Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
Eintritt 7 Euro
freitags Eintritt frei

Die staatliche Kunsthalle
Hier geht es zur Webseite der Kunsthalle und dem Begleitprogramm der Ausstellung => KLICK

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Hier ein sehr anschaulicher Video-Beitrag des Forums "Badisches.de", gedreht von Khalil Khalil => KLICK